ICT-Geschichte

Historisches zur Informatik in der Schweiz

Heute finden wir Computer und Informatikanwendungen fast in jedem Lebensbereich (Beruf, Familie, Schule, Verkehr, Spital usw.). Dieser flächendeckende Informatikeinsatz ist recht jung (erst etwa ab 1980 gibt es den "persönlichen Computer PC"). Ihren Ursprung hat diese Entwicklung in den zwei von einander anfänglich völlig getrennten Bereichen "Numerische Mathematik" und "Datenverarbeitung".

 

Vorläufer (vor 1945)

Numerische Mathematik

Ingenieure und Wissenschafter haben schon immer gerechnet, anfänglich ausschliesslich "von Hand", will heissen mit Kopf, Papier und Bleistift, später zusätzlich mit technischen Hilfsmitteln, deren wichtigste um 1945 der Rechenschieber und die Logarithmentafel waren (beide zur Erleichterung von Multiplikation und Division). Mechanische Additions- und Subtraktionsmaschinen waren damals verbreitet; sog. 4-Spezies-Rechenmaschinen, welche zusätzlich auch multiplizieren und dividieren konnten, waren hingegen teuer und sehr selten.

 

Datenverarbeitung

Buchhalter, Bankangestellte oder Versicherungsleute haben schon immer Zahlen aufgereiht und oft viele gleichartige Rechnungen, Mahnungen und Tabellen geschrieben. 1891 hatte Hollerith für die amerikanische Volkszählung eine Zählmaschine auf Lochkartenbasis erfunden. Um 1930 wurden Lochkartenmaschinen in der Schweiz bereits auch von grossen Versicherungsgesellschaften eingesetzt (z.B. von der Rentenanstalt in Zürich). Damit konnten Routineberechnungen  und -schreibarbeiten erstmals automatisiert werden (z.B. Prämienberechnungen samt Rechnungsstellung).

 

Frühzeit (1945 - 1960) 

Numerische Mathematik

1945 wurde in den USA der erste elektronische Rechenautomat (mit Tausenden von empfindlichen Elektronenröhren) gebaut. Noch während des 2. Weltkrieges hatte davon unabhängig der Deutsche Konrad Zuse (1911-199?) eine programmierbare, elektromechanische Rechenmaschine namens Z4 *) fertiggestellt, die von Prof. Eduard Stiefel 1950-54 mietweise an die ETH Zürich geholt wurde und damit als erster Rechenautomat an einer kontinentaleuropäischen Hochschule im Einsatz stand. An verschiedenen Hochschulen wurden darauf elektronische Rechenmaschinen (so nannte man damals die Computer) als Einzelstücke gebaut, so an der ETH Zürich die ERMETH **) (in Betrieb ab 1955 /57) und an der damaligen EPUL in Lausanne das ZEBRA.

*) Die Z4 steht heute im Deutschen Museum in München.
**) Die Kernelemente der ERMETH stehen heute im Museum für Kommunikation in Bern.

 

Datenverarbeitung

Die Lochkartentechnik wurde schrittweise durch elektronische Systeme ("elektronische Datenverarbeitung", EDV) ergänzt und verbessert. Schweizer Banken und Versicherungen beschaffen damals erste kommerziell erhältliche  EDV-Anlagen.


Die Zeit des Zusammenwachsens (1960-1980) 

Wissenschaftliche Informatik

Leistungsfähigere Rechner und Maschinentyp-unabhängige Programmiersprachen führen zu einer immer breiteren Einsatzmöglichkeit des neuen Instruments "Computer" im gesamten Bereich von Wissenschaft und Technik. Die meisten Anwendungen sind weiterhin numerisch orientiert ("Rechnen"). Aus Kostengründen werden die teuren Computer in Rechenzentren installiert, wo sie von vielen Anwendern gemeinsam genutzt werden können.

 

Rationalisierung durch EDV

In Dienstleistungsunternehmen und Industriebetrieben werden zunehmend administrative Routinearbeiten jeder Art mit EDV unterstützt und/oder abgelöst. Das wichtigste Ziel des EDV-Einsatzes ist Rationalisierung und Beschleunigung administrativer Abläufe.

 

Time Sharing, Terminalbetrieb und Datenbanken

Seit etwa 1965 wird es möglich, mit einem leistungsfähigen Grossrechner über Terminals gleichzeitig mehrere Benutzer zu bedienen. Es liegt auf der Hand, dass diese Möglichkeit, zusammen mit wesentlich verbesserten Speicher- und Speicher-organisationstechniken ("Datenbanken") sowohl dem wissenschaftlichen als auch dem administrativen Informatikeinsatz dienen kann. Damit verschwindet allmählich der bis dahin tiefe Graben zwischen Hochschul- und Praxis-Informatik. Die grossen Banken (Kontosysteme), die damalige Swissair (Reservationssystem), Verwaltungen (AHV) beginnen, Datenbanksysteme einzusetzen und holen gleichzeitig Ingenieure an Stellen, wo früher kaufmännische Angestellte und Ökonomen allein dominiert hatten. Damit baut sich langsam die bisher starke Trennung zwischen wissenschaftlichem und kommerziellem Informatikeinsatz ab.


Ab 1980 bieten die meisten Schweizer Hochschulen und HTL/Fachhochschulen Informatik- oder Wirtschaftsinformatik- Hauptfachstudien an.

 

Die Zeit neuer Produkte und Ideen (1980-heute) 

Dass Informatik als Rationalisierungsmittel eingesetzt wird, ist heute selbstverständlich. Das Hauptinteresse bei neuen Informatikanwendungen liegt daher je länger je mehr nicht bei simpler Rationalisierung, sondern bei der Nutzung neuer Möglichkeiten zur Schaffung besserer Produkte und zum Experimentieren in virtuellen Räumen. Beispiele:

 

  • Banken und Versicherungen: Neue Finanzprodukte, offene elektronische Börse.  
  • Industrie: Komfortverbesserung durch eingebaute Informatikkomponenten in Autos, Kücheneinrichtungen und Gebäuden aller Art.  
  • Forschung: Simulation schwieriger oder gefährlicher Experimente mit Hilfe digitaler Modelle.

Die Möglichkeiten der Informatik sind beinahe unbeschränkt; wir erleben laufend Neues, Multimediales, überraschendes. Die Schweiz war bei einigen modernen Informatikentwicklungen mit eigenen Highlights ganz vorne mit dabei.